Historie

Prominentester Reitschüler in der langen Geschichte des Reitervereins ist sicherlich der Frankfurter Ehrenbürger Friedrich von Metzler, der sich noch heute an den strengen Reitlehrer Rommel erinnert und manche Anekdote über seine Reiterei unter den Fittichen des geschätzten Pferdekenners parat hat. 

Durch seine Verwandtschaft zur Familie von Meisters verbrachte er als junger Mann viele Stunden im Sindlingen Stall. Entdeckt worden war der schönen Flecken am Main allerdings schon lange vor Metzlers Jugendzeit, als Pferde und Pferdekutschen die einzigen Fortbewegungsmittel waren und von einem Automobil noch niemand träumte: 

Vor mehr als dreihundert Jahren kamen die ersten Kaufleute aus Italien nach Sindlingen, zuerst die Vaccani (1740), dann die Allesina (1760), die den Grund besiedelten, ein Herrenhaus an einer Lindenallee (heute Allesinastrasse 1) errichteten und das Grundstück mit zusätzlichen Gebäuden und Gärten erweiterten. Es wechselten noch häufig die Besitzer bis Herbert von Meister, ein Sohn des Gründers der Farbwerke Hoechst, die Gebäude und den Park 1902 erwarb. Er ließ das Herrenhaus der Allesinas abreißen, um Platz für Stallungen zu schaffen und baute eine herrschaftliche Villa 

zweihundert Meter weiter südlich.

Die Stallungen wurden durch ein Tor vom Park getrennt, das bis heute mit Mainzer Rad und Reichsadler geschmückt ist. Für die familieneigenen Kutsch- und Reitpferde errichtete man neben der  Unterbringung auch eine Reithalle für den privaten Gebrauch. Beim Bau des Pferdestalls plante man die Unterbringung von sechs Fahr- und zwei Reitpferden. Gebaut wurden aber auch zwei Garagen für das kommende Fortbewegungsmittel, das Auto.

Am 2. Januar 1919 verstarb der erst 53jährige Herbert von Meister. Nach seinem Tod lebten seine Frau Else und seine unverheiratete Tochter Elisabeth von Meister alleine in der Villa, doch nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde diese von der amerikanischen Militärverwaltung beschlagnahmt. Else und Elisabeth von Meister mussten ausziehen und die gesamte Einrichtung zurücklassen. Sie kamen in der leer stehenden Kutscherwohnung über dem Pferdestall unter. 1953 wurde die Villa in schlechtem Zustand von den Besatzern zurückgegeben. Die beiden Frauen ließen zwar die Villa renovieren, lebten aber weiterhin in ihrer Wohnung über dem Pferdestall. 1967 starb Else von Meister im hohen Alter von 95 Jahren, ihre Tochter Elisabeth lebte bis 1986. Seitdem verwaltet eine Erbengemeinschaft das Anwesen. Seit 1982 befindet sich in der Villa eine Klinik zur stationären Suchttherapie – erst das Phönix-Haus, jetzt die Fachklinik „Villa unter den Linden“ des Deutschen Ordens.

Der „Reiterverein Höchst und Umgebung“ wurde 1925 von Kurt Geibel und Peter Köhler gegründet. Viele leitende Angestellte der Farbwerke Hoechst waren unter den ersten Mitgliedern. Else von Meister, Herberts Frau, unterstützte den Verein stark und wurde Ehrenmitglied. Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde 1948 der Verein mit dem Namen „Sindlinger Reiterverein“ neu gegründet und der Reitbetrieb wieder aufgenommen. 

Seit dem 1. Januar 1955 gilt der Reiterverein Sindlingen als eingetragener Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Frankfurt. Neben der Halle stehen den Reitern nun ein großer Außenreitplatz in den Wingerten und ein kleiner Reitzirkel auf der Mainwiese zur Verfügung. Mit dem Bau der Flughafen-Autobahn 1979 verliert der Verein jedoch die Hälfte des Außenreitplatzes. Durch die Bauarbeiten wird das Gelände so stark beschädigt, 

dass der Reitplatz völlig neu angelegt werden muss. Anfang der 1980er-Jahre stirbt Reitlehrer Rommel, der bis zuletzt mit seinen 81 Jahren noch täglich auf dem Pferd saß und seinen Beruf als Reitlehrer ausübte. Eberhard Schmidt übernimmt den Reitbetrieb. 1981 hat der Verein 18 Mitglieder, hauptsächlich langjährige Reiter mit eigenen Pferden. Die Mitgliederzahl wächst und steigt noch im gleichen Jahr auf 120. Der Verein tritt dem 

Landessportbund und weiteren reiterlichen Vereinigungen bei. Willi Schmidt wird 1. Vorsitzender und unter seiner Leitung wird der Reitplatz in den Wingerten weiter ausgebaut und 1983 mit einem Sprunggarten erweitert. Im Jahr 1984 findet der erste Vergleichswettkampf der jüngeren Reiterjahrgänge zwischen den Vereinen aus Eddersheim und Sindlingen statt. 1985 verlässt Eberhard Schmidt, Reitlehrer und Pächter der Anlage, den Reiterverein. Manfred Mosch wird zum 1. Vorsitzenden benannt und übernimmt in eigener Regie den Reitbetrieb und die Pacht der Anlage. Sattelkammer und 

Viererstall werden neu eingerichtet.

Elisabeth von Meister, ebenfalls wie ihre Mutter Else große Förderin und Ehrenmitglied des Reitervereins, stirbt 1986. Die erste Voltigiergruppe nimmt das Training auf und im Oktober 1986 findet erstmals Reiten für Behinderte statt. Im Mai 1990 erfreut sich das erste Hausturnier reger Teilnahme der Vereine aus der Region und die Sindlinger Reiter glänzen mit Erfolgen. In 1991 wird das Reitviereck mit Holz umzäunt und erfüllt damit die 

Sicherheitsauflagen für Reitturniere, so können im Mai 1991 und 1992 weitere Hausturniere stattfinden. Vereinsschüler nehmen verstärkt auch an auswärtigen Turnieren teil und belegen in verschiedenen Dressur- und Spring- Prüfungen der Klasse E die ersten Plätze. Ende 1992 wird der Reitplatz vergrößert. So ist nun genug Platz für gleichzeitiges Dressur- und Springreiten. Der Verein zählt zu dieser Zeit 136 Mitglieder, davon 102 Kinder und Jugendliche, 34 Erwachsene. 

Ein weiterer Vorstandswechsel findet 1993 statt, zudem hilft Ingo Schlittgen als sportlicher Berater bei der Turnier-Organisation. Das „4. Sindlinger Reitturnier in den Wingerten“ findet im gleichen Jahr statt. Durch Spenden ist der Verein 1994 in der Lage, neue Hindernisse für einen Springparcour anzuschaffen und den vergrößerten Reitplatz vollständig mit Holz einzuzäunen. Das jährliche Turnier wird mit vielen Teilnehmern und Besuchern aus der Region ein toller Erfolg. Für besondere Verdienste wird die 

Ehrenmitgliedschaft an Frau Bettina Heinzel, Herrn Rabenecker und  Herrn von Mallinckrodt verliehen. Durch Brandstiftung wird am 13. April 1996 die Meldestelle auf dem Reitplatz zerstört. Der Sachschaden beläuft sich auf ca. 10.000,- DM, doch das Turnier im Mai 1996 findet dennoch statt. Im Bemühen um Integration im Reitsport wird 1997 in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Frankfurt und der Kinderhilfestiftung eine 

„Integrative Reitgruppe" ins Leben gerufen. Es kommen wöchentlich 14 Kinder der Kindertagesstätte 9 in Höchst zum Reiten. Die Sindlinger Reiter nehmen 1998 mit großem Erfolg an ihrem Hausturnier und an auswärtigen Turnieren teil. Der Zuspruch der Reitschüler wächst. Hinter dem Park der Villa von Meister/Phönixhaus werden Koppeln für die Schulpferde eingezäunt. Im darauf folgenden Jahr wird das 10. Sindlinger Reitturnier veranstaltet. Das Jahr 1999 ist das Jahr der Investitionen: Auf dem Reitplatz wird eine Bewässerungsanlage installiert, die Beleuchtung der Reithalle wird komplett erneuert und der Fuhrpark um einen Frontlader erweitert. Für die Kinder kann eine Ponykutsche erworben werden. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es jetzt vier Voltigiergruppen. Zum 01.01.2000 zählt der Reiterverein Sindlingen e.V. 172 aktive und 

passive Mitglieder, davon 130 Kinder und Jugendliche und 42 Erwachsene. 

Die Reithalle wird um einen Longierzirkel im Park der Villa von Meister erweitert. 

Ab Herbst 2000 werden Ponyreitstunden angeboten und das Interesse ist groß. Zwei Jahre später konnte der Verein unter einem neuen Vorstand enormen Aufschwung verzeichnen. Der Pferdebestand wurde auf 12 aufgestockt. Es unterrichten nur noch ausgebildete Fachkräfte, Ausritte unter fachkundiger Leitung werden angeboten und die Resonanz ist sehr positiv. Viele Begeisterte nehmen an den Lehrgängen zum Basispass Pferdekunde, Deutschen Reitpass und kleinem Hufeisen teil. Die „Pony-Elite“ besteht mit großem Erfolg ihr erstes Turnier. Darauf zerstörte ein Brand den Dachstuhl der denkmalgeschützten Reithalle. Die Brandstiftung wurde nie aufgeklärt. Da die denkmalgerechte Brandsanierung der Reithalle über Monate dauerte, war die Existenz des Reiterverein Sindlingen e.V. stark gefährdet. Der Reitbetrieb konnte nur durch ein Zelt aufrechterhalten werden, was zu unerwarteten Mehrkosten führte. 

Im März 2013 trifft den Verein ein weiterer harter Schicksalsschlag. Das noch junge Schulpferd Lago verstirbt nach einem Jahr Vereinszugehörigkeit völlig überraschend. Lago war ein gut ausgebildetes Pferd mit Turniererfahrung und viel Potential, das die Ausbildung der jungen Reiter im Gelände und Springen sicherte. Da ohne einen adäquaten Ersatz der Schulbetrieb nicht aufrechterhalten werden kann, muss eine stattliche Summe für ein neues Pferd zusammengetragen werden. Der sich neu formierte junge Vorstand startet einen Spendenaufruf und beginnt darüber hinaus, ein Konsolidierungsprogramm zur Sicherung des Fortbestehens des Vereins aufzubauen.

Ein halbes Jahr später kann der junge Vorstand schon eine großartige Nachricht öffentlich machen: Der Reiterverein Sindlingen e.V. hat zwei neue Pferde im Stall: Naila und Summer Dream. Zahlreiche Förderer unterstützen den Ankauf der fünfjährigen Trakehnerstute Naila und der siebenjährigen Rheinländerin Summer Dream. Sowohl Vereinsmitglieder als auch Nichtmitglieder spenden für die neuen Pferde. Auch am Tag der offenen Tür kommt trotz Regen und Kälte auch eine kleine Summe zusammen. Großzügig zeigen sich ebenso Verbände und Firmen: Die Jubiläumsstiftung der Volksbank Höchst unterstützt die Jugendarbeit mit den neuen Pferden, und die Fraport AG möchte mit ihrer Zuwendung den Aufbau einer Fördergruppe jugendlicher Talente unterstützen.

„Naila ist ein junges Reitpferd mit ausgezeichneten Anlagen im Muskelaufbau 

und Elastizität, ihre Ausbildung kostet uns noch einige Zeit“, sagt Desiree Appadurai, 

die im Vorstand des Reitervereins tätig ist. Summer Dream ist ein ruhiges und gelassenes Tier und dank ihres gutmütigen Gemüts ein ideales Voltigierpferd. Auch sie wird weiter ausgebildet. „Mit der Fuchsstute konnte für die Voltigierer ein zuverlässiger Partner gefunden werden“, freut sich Tanja Seidel, die aber mit ihren Vorstandskollegen auch weiß, dass noch viel zu tun ist, um den Reiterverein zu konsolidieren. Nachdem die langjährigen Schulpferde Sambo und Vagabund in Rente gehen, steht die nächste Spendenbox für die ruhige Stute Ferrari bereit. Mit diesem weiteren Neuzugang soll das Reiten für Menschen mit Behinderung intensiviert werden. Einen weiten Weg haben die Ehrenamtlichen noch zu bestreiten, um all die gesteckten Ziele zu erreichen. Doch trotz unermüdlicher Vereinsarbeit herrscht Optimismus im Vorstand. Eine neue Homepage ist fertig und die Weihnachtsfeier am 14. Dezember ist schon in Vorbereitung. 

Große Freude kommt nach der Weihnachtsfeier 2013 auf, an der auch die jüngsten Reitschülern vom Polyclub ihr Können zeigen dürfen: Der Reiterverein Sindlingen e.V. überzeugt die hochkarätige Jury bestehend aus Ann Kathrin Linsenhoff (Olympiasiegerin und Veranstalterin des Festhallenturniers), Ernst-Albert Holzapfel (ehemaliger Präsident des Pferdesportverbandes Hessen (PSHV)), Prof. Dr. Heinz Zielinski (Hessisches Innenministerium) und Robert Kuypers (PSVH-Geschäftsführer) und wird beim Wettbewerb „Bestes Hessische Schulpferdekonzept“ mit dem 3.Platz ausgezeichnet. 

Der Pferdesportverband Hessen e.V. hat zum achten Mal alle hessischen Reitvereine aufgerufen, ihre Schulpferdekonzepte einzureichen. Der Reiterverein Sindlingen e.V. nutzt die Chance, sein seit Frühjahr dieses Jahres unter neuem Vorstand vorangetriebenes, innovatives Profil vorzustellen. Auch Robert Kuypers plädiert für den sozial und im Besonderen auf Kinder- und Jugendarbeit ausgerichteten Verein. Der nach den Richtlinien der FN (Fédération Équestre Nationale / Deutsche Reiterliche Vereinigung) ausbildende Sindlinger Reiterverein e.V. wird dann im Rahmen des Internationalen Festhallen-Reitturniers in Frankfurt durch das fachkundige Gremium am Donnerstag 19. Dezember 2013 feierlich für das drittbeste Schulpferdekonzept in Hessen geehrt. 

Tanja Seidel und Meike Hildebrandt vom Vorstand des Reiterverein Sindlingen e.V. dürfen mit der ehemaligen Trainerin Denise Nube, den ehemaligen Übungsleiterinnen Gabriele Hübner-Holmes und Katharina Nix und den Nachwuchshelferinnen Helen Müller, Katharina Klug, Paula Blöcher, Ramona Werke und Selina Treinen die Auszeichnung mitten im Parcour der Festhalle unter dem Applaus der Reitturniergäste entgegennehmen. Die ehemalige Spitzendressurreiterin Linsenhoff gratuliert den Sindlinger Preisträgern persönlich. Das Preisgeld von 500 Euro zahlt das Hessische Ministerium des Innern und für Sport. Es soll dem Reiterverein Sindlingen e.V. die Möglichkeit geben, die Jugendarbeit im Sinne der Ausschreibung weiter voranzutreiben. 

Der  Verein zählt rund 200 aktive Mitglieder, davon sind rund 60% Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre alt. Um Reiten als Breiten- und Spitzensport für alle tierliebenden Menschen auch mit Behinderung in Frankfurt am Main weiter aufleben zu lassen, 

werden noch viele Förderer benötigt.

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